Die Yanomami, ein Volk, das sich selbst schlicht „Menschen“ nennt, bewohnen die dichten Regenwälder am Oberlauf des Orinoco und im nördlichen Amazonasgebiet, an der Grenze zwischen Venezuela und Brasilien. Es handelt sich um eine der größten indigenen Gemeinschaften Südamerikas, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nahezu vollständig von der Außenwelt isoliert blieb, verteilt auf mehr als zweihundert kleinere, im Regenwald verstreute Siedlungen.
Die grundlegende Wohn- und Sozialeinheit ist der Shabono – ein riesiger kreisförmiger Bau aus Pfählen und Palmblättern, zum Innenhof hin offen, unter dessen Dach das ganze Dorf lebt, mitunter mehrere hundert Menschen. Jede Familie hat ihre eigene Feuerstelle am äußeren Rand des Rings, während die Mitte für Versammlungen und Riten frei bleibt. Die Yanomami betreiben Brandrodungsfeldbau und bauen vor allem Bananen und Maniok an; ihre Ernährung ergänzen sie durch die Jagd mit Pfeil und Bogen und das Sammeln von Waldfrüchten.
Yopo und die Hekura-Geister
Das religiöse Leben ist eng mit dem Schamanismus verbunden. Die Schamanen, Shapori genannt, verkehren in Trance mit den Geistern, den HekuraNaturgeister im Glauben der Yanomami, die der Schamane in Trance herbeiruft, damit sie das Dorf vor Krankheiten und bösen Einflüssen schützen., indem sie YopoHalluzinogenes Pulver aus der Rinde oder den Samen eines Waldbaums, das ein Helfer dem Schamanen während des Ritus durch ein langes hohles Rohr in die Nase bläst. einatmen, ein Pulver, das ihnen ein Helfer durch ein langes hohles Rohr in die Nase bläst. Schamanische Riten begleiten nahezu jeden wichtigen Augenblick im Leben der Gemeinschaft, von der Heilung der Kranken bis zur Vorbereitung auf Krieg oder Frieden mit den Nachbardörfern.
Den Tod eines Mitglieds der Gemeinschaft begleitet ein besonderer Gedenkritus, das ReahuRituelles Festmahl der Yanomami; in seiner Trauerform werden die Asche und die zerstoßenen Knochen des Verstorbenen in einen Bananenbrei gemischt, den Verwandte und Freunde trinken.: Der Leichnam wird verbrannt, und seine Asche und die zerstoßenen Knochen werden in einen Bananenbrei gemischt, den Verwandte und Freunde während des Festmahls trinken. Auf diese Weise bleibt nach dem Glauben der Yanomami die Lebensessenz des Verstorbenen in der Gemeinschaft bewahrt, statt für immer in der Erde zu verschwinden.
Die westliche Welt wusste lange Zeit sehr wenig über die Yanomami. Das änderte sich erst seit den 1950er-Jahren mit der Ankunft von Missionaren und später von Anthropologen – unter ihnen Napoleon Chagnon, dessen Feldforschung aus den 1960er-Jahren das frühere Bild von ihnen als einem „wilden Volk“ prägte; diese Beschreibung wurde später als vereinfachend angefochten, denn der Krieg zwischen den Sippen war nur ein Teil, und zwar ein seltener, eines weit komplexeren gesellschaftlichen Lebens. Eine ernstere Erschütterung folgte in den 1980er-Jahren, als Goldsucher tief in ihr Gebiet vordrangen und Krankheiten einschleppten, gegen die die Yanomami keine Abwehrkräfte besaßen. Der internationale Druck, der darauf folgte, veranlasste Brasilien, 1992 offiziell das Schutzgebiet der Yanomami auszurufen, eines der größten indigenen Reservate ganz Amazoniens.
