Christoph Kolumbus auf dem Deck eines Schiffes, den Blick auf Karavellen auf offener See gerichtet, Illustration

Christoph Kolumbus

Die Reise, die den Lauf der Geschichte veränderte

Christoph Kolumbus wurde 1451 in Genua geboren, doch seine Herkunft ist bis heute umstritten: Ob er der Sohn eines bescheidenen Wollwebers war oder aus einer angesehenen katalanischen Familie stammte, vielleicht sogar einer jüdischen, die ihre Identität wegen der spanischen Inquisition verbarg, hat die Wissenschaft nicht endgültig geklärt. Eines der Argumente für eine adlige Herkunft ist seine 1479 geschlossene Ehe mit Felipa Moniz, einer Frau aus portugiesischem Adelsgeschlecht – die Nachwelt fragte sich später, wie der Sohn eines armen Handwerkers überhaupt eine solche Ehe hätte schließen können.

Christoph Kolumbus mit einem Globus, Detail eines Gemäldes
Christoph Kolumbus mit dem Globus, auf einer späteren Darstellung

Nach einer der Erzählungen über seine Jugend rettete sich Kolumbus 1476 als Besatzungsmitglied einer genuesischen Handelsflottille, die bei Gibraltar von Piraten angegriffen wurde, schwimmend an die portugiesische Küste, wo er sich dann auch niederließ. In Lissabon fertigte er Seekarten an, wobei er seinem jüngeren Bruder Bartolomeo half, und trieb Handel, bis er begann, den Plan einer Reise nach Westen auszuarbeiten.

Die Übergabe von Granada 1492, Gemälde
Die Übergabe von Granada im Jahr 1492

Ende 1483 bat Kolumbus den portugiesischen König Johann II., eine Expedition nach Westen zu finanzieren, mit der man Indien erreichen würde, statt Afrika zu umfahren. Als das Gesuch abgelehnt wurde, wandte er sich mit derselben Bitte an die spanischen „Katholischen Könige“ Ferdinand von AragónFerdinand II. von Aragón, PorträtFerdinand II. von Aragón (1452–1516). Gemeinsam mit seiner Gemahlin Isabella von Kastilien regierte er das vereinte Spanien und finanzierte die Expedition des Kolumbus. und Isabella von KastilienIsabella von Kastilien, PorträtIsabella von Kastilien (1451–1504). Königin von Kastilien, deren Entscheidung, das Unternehmen des Kolumbus zu unterstützen, den Ausgang der Verhandlungen entscheidend beeinflusste.. Auch hier folgte eine Reihe von Ablehnungen, bis die Bitte 1492 schließlich angenommen wurde.

Mit der Kapitulation von Santa Fe, unterzeichnet am 17. April 1492, einigte sich das Königspaar mit Kolumbus über die Bedingungen des Unternehmens: Er verlangte und erhielt die Titel eines Vizekönigs und Admirals sowie das Recht auf ein Zehntel des Gewinns aus seinen Reisen. Die Expedition lief am 3. August 1492 aus dem Hafen von Palos aus, mit drei berühmten Karavellen – der Niña, der Pinta und der Santa María. Im selben Jahr fand auch ein zweites großes historisches Ereignis statt: Mit dem Fall von Granada, der letzten maurischen Bastion auf der Iberischen Halbinsel, endete die ReconquistaJahrhundertelanger Prozess der christlichen Eroberung der Iberischen Halbinsel, der 718 begann und 1492 mit dem Fall des Emirats von Granada endete., der lange Prozess der christlichen Rückeroberung der Halbinsel, der fast acht Jahrhunderte gedauert hatte.

Die Beweggründe der Reise

Darüber, was Kolumbus wirklich antrieb, gibt es unterschiedliche Deutungen, ähnlich wie über seine Herkunft. Manche betonen die religiöse Motivation, die Verbreitung des Christentums; realistischer ist jedoch der Eindruck, dass das Christentum, so aufrichtig es in Kolumbus’ Weltbild auch vorhanden war, in erster Linie als Mittel der Kolonisierung und Bekehrung diente und nicht als eigentliche Triebkraft des Unternehmens. Das Hauptmotiv war wirtschaftlich – die Notwendigkeit, einen Weg nach Indien für den Handel zu finden, vor allem mit Gewürzen, die damals, über arabische Zwischenhändler gekauft, Preise erreichten, die dem des Goldes vergleichbar waren.

Für den Handel mit dem Osten gab es im Prinzip zwei Wege: den Landweg, den die Türken für christliche Kaufleute gesperrt hatten, und den Seeweg um Afrika herum – ein langes und kostspieliges Unterfangen, dessen ersten Teil 1487 Bartolomeu Dias bewältigte, als er das Kap der Guten Hoffnung erreichte (bis nach Indien selbst gelangte auf diesem Weg erst Vasco da Gama, 1498). Kolumbus’ Plan war kühner: den bis dahin unbekannten Atlantischen Ozean geradewegs nach Westen zu überqueren und so in deutlich kürzerer Zeit Asien zu erreichen. Bei seinen Berechnungen stützte er sich auf die Karten des Florentiner Geografen Paolo Toscanelli, die den tatsächlichen Umfang der Erdkugel erheblich unterschätzten.

Die Reisen des Kolumbus (1492–1504)

Die Schiffe Niña, Pinta und Santa María auf offener See, Gemälde
Niña, Pinta und Santa María

Erste Reise (August 1492 – März 1493). Mit Hilfe der Brüder Martín Alonso und Vicente Yáñez PinzónVicente Yáñez Pinzón, PorträtVicente Yáñez Pinzón (1462–1514). Kapitän der Niña auf der ersten Reise des Kolumbus; im Jahr 1500 erreichte er auf einer eigenen Expedition als erster Europäer die Küste Brasiliens. brach Kolumbus am 3. August 1492 mit drei Karavellen und einer Besatzung von etwas mehr als hundert Mann von Palos aus auf. Nach einem Zwischenhalt auf den Kanarischen Inseln zur Versorgung folgte eine lange und beschwerliche Fahrt durch unbekannte Gewässer, in deren Verlauf die Besatzung, die die Geduld verloren hatte, einmal sogar meuterte.

Land wurde am 12. Oktober 1492 gesichtet, und als Erster bemerkte es der Überlieferung nach der Matrose Rodrigo de Triana. Sie landeten auf einer Insel der Bahamas, die die Einheimischen Guanahani nannten; Kolumbus nannte sie im Namen der Kronen von Aragón und Kastilien San Salvador. Da er glaubte, sich in der Nähe Indiens zu befinden, nannte er die Bewohner Indianer – ein Name, der jahrhundertelang in Gebrauch bleiben sollte. Das Ereignis ist auch in den späteren Chroniken des Fray Bartolomé de las Casas beschrieben, der Kolumbus’ Bordbuch und den feierlichen Akt der Inbesitznahme der Insel im Namen der spanischen Krone nacherzählte.

Kolumbus landet 1492 an der Küste der Neuen Welt, Gemälde
Kolumbus’ Ankunft an der Küste der Neuen Welt

Auf der Weiterfahrt entdeckte er auch die benachbarten Inseln: am 28. Oktober Kuba und am 5. Dezember die Insel, die er Hispaniola nannte (heute Haiti und die Dominikanische Republik). Vor Hispaniola lief in der Nacht vor Weihnachten die Santa María auf eine Sandbank und zerbrach; die Besatzung rettete die Ladung und baute aus dem Wrack eine kleine Befestigung, La Navidad genannt, in der 39 Mann zurückblieben. Mit den beiden verbliebenen Schiffen trat Kolumbus im Januar 1493 die Rückfahrt nach Spanien an, wo er unter Ehrungen die versprochenen Titel eines Admirals und Vizekönigs der neu entdeckten Länder erhielt.

Zweite Reise (September 1493 – Juni 1496). Ermutigt durch den Erfolg der ersten Reise, war das zweite Unternehmen weit ehrgeiziger: 17 Schiffe und etwa 1.500 Mann – Soldaten, Handwerker, Schreiber und Priester – liefen am 25. September 1493 aus Cádiz aus und führten auch Haustiere und Pflanzen mit, die der Neuen Welt unbekannt waren. Die Flotte gelangte über die Insel, die Kolumbus Dominica nannte, nach Guadeloupe, wo die Seeleute zu ihrem Entsetzen bei den dortigen Kariben auf Spuren von Menschenfresserei stießen, und entdeckte danach auch Puerto Rico.

Auf Hispaniola fanden sie die Befestigung La Navidad niedergebrannt und die dort zurückgebliebene Besatzung erschlagen vor. Über das Schicksal dieser Männer gibt es zwei Deutungen: Nach der einen kamen sie in einem Kampf mit den Kariben um; nach der anderen, weit wahrscheinlicheren und bei späteren Chronisten der spanischen Eroberungen überlieferten, forderten sie durch ihr eigenes Verhalten – Gewalt und Raub – die Rache der einheimischen Taíno heraus. Kolumbus gründete daraufhin La Isabela, die erste europäische Stadt in der Neuen Welt, setzte seinen Bruder Diego als deren Verwalter ein und führte die Erkundung der karibischen Inseln fort, unter denen er auch Jamaika entdeckte. Bei seiner Rückkehr nach La Isabela fand er Chaos und eine gescheiterte Kolonie vor, die von der Suche nach Gold besessen war, statt Ackerbau zu treiben; nach Spanien kehrte er mit etwa 500 gefangenen Indianern zurück, von denen die meisten unterwegs starben, und der Hof empfing ihn diesmal nicht mit der früheren Begeisterung.

Kolumbus vor Ferdinand und Isabella nach der Rückkehr von der ersten Reise, mit Einheimischen und Geschenken, Illustration
Christoph Kolumbus vor Ferdinand und Isabella nach der Rückkehr von der Reise, mit Einheimischen und Geschenken.

Dritte Reise (1498–1500). Kolumbus brach mit sechs Karavellen auf, von denen er drei sogleich nach Hispaniola schickte, während er mit den übrigen die Erkundung fortsetzte und die Insel Trinidad, die Halbinsel Paria und die Mündung des Orinoco entdeckte. Die mächtigen Arme dieses Flusses zeigten an, dass es sich um Festland von kontinentalem Ausmaß handelte, doch Kolumbus brachte stattdessen die fantasievolle Idee hervor, er sei auf die vier Flüsse des Paradiesgartens gestoßen. Bei seiner Rückkehr nach Hispaniola fand er einen Aufstand gegen seinen Bruder Bartolomeo vor, der inzwischen zusammen mit Diego die Stadt Santo Domingo gegründet hatte. Wegen der Nachrichten über die schlechte Verwaltung der Kolonie entsandte die Krone einen neuen Statthalter, Francisco de Bobadilla, der Kolumbus und seine Brüder verhaftete und in Ketten nach Spanien zurückschickte. Zu dieser Zeit war auch das Massensterben der Einheimischen an den von den Europäern eingeschleppten Krankheiten bereits in vollem Gang.

Vierte Reise (1502–1504). Begnadigt, erhielt Kolumbus die Erlaubnis zu einer weiteren, letzten Reise, obwohl ihm der Zugang zu Hispaniola ausdrücklich untersagt war. Dennoch musste er wegen des Zustands seiner Schiffe in Santo Domingo anlegen, wo er eine Flotte von dreißig Schiffen, die zur Abfahrt nach Spanien bereitlag, vor einem bevorstehenden Sturm warnte; die Warnung wurde nicht beachtet, und das Meer verschlang etwa zwanzig dieser Schiffe samt Besatzung und Goldladung – unter den Opfern befand sich ironischerweise auch Bobadilla, der Mann, der ihn einst verhaftet hatte. Kolumbus’ vier Schiffe suchten Schutz bei Jamaika, wo Stürme zwei von ihnen zerstörten und die übrigen schwer beschädigten; das hinderte ihn dennoch nicht daran, die Erkundung fortzusetzen und die Küsten des heutigen Honduras, Costa Rica und Panama sowie die Insel Martinique zu entdecken. Krank kehrte er 1504 nach Spanien zurück und starb am 20. Mai 1506 in Valladolid, bis zuletzt überzeugt, einen neuen Weg nach Asien gefunden zu haben, ohne zu wissen, dass er in Wirklichkeit einen ganzen neuen Kontinent entdeckt hatte.

Das Erbe

Einheimische greifen die spanische Besatzung der Befestigung La Navidad an, Illustration
Die Begegnung zweier Welten

Die Begegnung zweier Welten setzte das in Gang, was man heute den Kolumbianischen Austausch nennt: Aus Europa kamen Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Schwein, Weizen und Weinrebe nach Amerika, in die Gegenrichtung Kartoffel, Mais und Tabak, neben vielen anderen Pflanzen und Tieren. Der Preis dieses Austauschs war jedoch gewaltig: Große präkolumbische Zivilisationen wie das Azteken- und das Inkareich verschwanden, und die karibischen Völker wurden nahezu vollständig vernichtet, durch Gewalt ebenso wie durch Krankheiten, gegen die sie keine Immunität besaßen, und später durch aus Afrika verschleppte Sklaven ersetzt. Portugal und Spanien teilten die neu eroberten Gebiete Lateinamerikas bald unter sich auf, und die Vermischung der europäischen, der indigenen und der afrikanischen Bevölkerung führte zur Entstehung neuer ethnischer Gruppen – Mestizen, Mulatten und anderer.

Die Gestalt des Christoph Kolumbus wird deshalb bis heute auf zwei schwer miteinander vereinbare Weisen betrachtet: als kühner Seefahrer, dessen Unternehmen das Bild der Welt für immer veränderte, und als Persönlichkeit, die untrennbar mit der Eroberung und dem Leid der indigenen Bevölkerung Amerikas verbunden ist. Diese Spannung prägt noch heute die Art, wie in Amerika der Kolumbus-Tag begangen wird, den die Nachkommen der Ureinwohner und die Nachkommen der europäischen Einwanderer völlig unterschiedlich erleben – als Feier der Entdeckung auf der einen, als Erinnerung an Eroberung und Verlust auf der anderen Seite. Darüber, wie tief die beiden Welten einander bei der ersten Begegnung missverstanden, schrieb mehr als vier Jahrhunderte später auch der französische Anthropologe Claude Lévi-Strauss, der schilderte, wie die Europäer die Einheimischen für Tiere hielten, während die Einheimischen ihrerseits herauszufinden suchten, ob die fremden Ankömmlinge überhaupt sterblich seien – und zu dem Schluss kam, dass von diesen beiden gleich großen Unwissenheiten gerade die Haltung der Einheimischen mehr Achtung vor dem Menschen verriet.